bildende kunst innen ' architektur design
LIFE AS SYNCOPE - Eine Einführungsrede zur gleichnamigen Ausstellung.

Unter dem Arbeitstitel „Life as Syncope“ stellt die Düsseldorfer Künstlerin Lydia Drontmann uns heute ihre Arbeiten vor, die sich thematisch mit den Bereich Musik/Musiker auseinandersetzen.
„Life“ - ja, das ist bekannt: es bedeutet „Leben“, aber „Synkope“? Was sind Synkopen, was haben die mit Leben zu tun, welchen Bezug haben sie zu den dargebotenen Arbeiten?
Da erscheint der Bezug zur Musik schon klarer: - (aus einem Musiklexikon) - die zumeist harmonisch bedingte Verschiebung des Grundmetrums bei Verlagerung der Akzente von betonten bzw. „schweren“ auf ursprünglich unbetonte, „leichte“ Taktteile (Mittel: Überbindung / Aussparung, Pause / entgegenwirkende Akzentuierung). das Metrum sit dabei die gegliederte Tonfolge in einer taktgebundenen Musik, quasi ihre taktmässige Ordnung bezüglich ihrer Abfolge von betonten und unbetonten Zählzeiten (vgl. Metronom/Taktmesser zur Bestimmung des musikalischen Zeitmasses). Aber - da sind wir dann auch schon wieder beim „Leben“, das normalerweise wie eine Taktordnung gegliedert ist: Bedeutendes wechselt mit Belanglosem, das Langweilige wird von Spannungsmomenten abgelöst, Erfolgssträhnen enden in Pechsträhnen. Wird dieses geregelte Metrum des Lebens gestört, so gerät es - symbolisch gesprochen - aus dem Takt. Was ja nicht unbedingt nachteilig oder unheilvoll sein muss, sondern eher die Lebendigkeit unseres Daseins, unserer Existenz ausmacht. Musik - und besonders der Jazz - nutzt diese Ausbrüche aus dem Takt, nutzt diese rhythmischen Verschiebungen, um eine ausdrucksstarke, lebendige Darbietung innerhalb des konzertanten Zusammenspiels zu erreichen. Doch der Wettstreit und das Zusammenspiel der Instrumente und Stimmen eines Konzerts (lat. concertare - wettstreiten) spiegelt symbolisch auch unser tagtägliches Leben wider.
Nach diesem „philosophischen Vorspiel“ blicken wir auf die musikalischen Arbeiten Lydia Drontmanns, die neben der Kunst als Innenarchitektin und Designerin arbeitet. Das merkt man diesen linienbetonten Illustrationen auch an. Die Zeichnungen sindx vom Gestus her schnell, aber nicht flüchtig, wirken bisweilen durch ihre Linienführung „krakelig“, betonen aber damit den „Live“- Charakter ihrer zeichnerischen Performance. die kräftigen Linien wirken gesetzt als betont akzentuierte Gestaltungselemente innerhalb des Bildganzen. Die in der Regel zentral positionierten Figuren werden teilweise mit Farbflächen „ummantelt“. Farbflächen und zartere Linien in den Arbeiten wirken wie kompositorische Kontrapunkte gegenüber der kräftigen, starken Strichspur. Die Künstlerin stürzt sich mit ihren Schöpfungen ins Leben, ins Konzert, in die „Live“- Atmosphäre: die Lebendigkeit ihrer Momentaufnahmen, ihrer Erlebnisse und Beobachtungen werden in den kleinformatigen Skizzen spürbar. Es sind optische Notizen, visualisierte Alltagsszenen, die einen Moment aus dem Taktgefüge des Lebens herausreissen.
Die Zeichnungen bleiben im Gegenständlichen verhaftet, einer Gegenständlichkeit aber, die nicht alles zeigen will - die mit einem deutlichen Hang zur Abstraktion eine impulsbetonte, optische Verrätselung als künstlerisches Mittel erzeugt. Es zeigt ihre Verbundenheit mit dem Augenblick, wo sie den Betrachter mitreissen will, am Sound, am Swing, an der Lebendigkeit der Musik teilzuhaben, das Miteinander von Musiker und Instrument und Musik zu erleben.
Eine Rede ist eine Rede, ein Bild ist ein Bild - Musik ist Musik. Lydia Drontmann versucht mit ihren künstlerischen Stenogrammen ein visuelles Ausdrucksmittel zu schaffen, welches die konzertante Stimmung widerspiegelt. Es ist die „Beute“ eines Augenblicks, eines Moments, den sie festhalten konnte - daher schnell, daher kleinformatig. In einer kritischen Nachbetrachtung der Aufzeichnungen erfolgen daher in der Regel nur wenige, kleine Nachbesserungen zur Überprüfung der Stimmigkeit zwischen dem formal-ästhetischen Zeichen und dem gewünschten Inhalt bzw. Ausdruck. Die Spontanität der Arbeitsweise lässt das Fragmentarische zum Arbeitsprinzip werden. Dementsprechend unprätentiös ist die Wahl der künstlerischen Arbeitsmittel: Karteikarte, Karton, Papier, Holz, Filzstift, Kugelschreiber, Bleistift, Kreide...
Tja - Lebenslust, Lebensfreude, festgehaltene Erinnerungsmomente einer stimmungsvollen Konzertatmosphäre - diese Momente werden zu spontanen, wertvollen Studien, bevor sie verschwinden, sich verflüchtigen... Lydia Drontmanns Kompositionen sind kleine Visionen eines musikalischen „Joie de Vivre“!


©Hubertus A.W.J. Lampenscherf

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